Familienleben mit Hund: Unser erster Monat mit Welpen

Die Kinder, der Hund oder ich. Irgendwer muss gehen. Ganz ehrlich – in den ersten beiden Wochen als Familie mit Hund kam mir dieser Gedanke oft. Sehr oft.

Obwohl wir uns lange mit dem Thema Hund beschäftigt haben und natürlich wussten, dass es anstrengend mit einem Welpen wird, ist die Realität noch weit von unserer Vorstellung entfernt.

Unsere ersten gemeinsamen Wochen waren turbulent, anders als erwartet, aufregend, schön und ganz schön anstrengend für die ganze Familie. Doch gaaaanz langsam kehrt ein wenig Normalität zurück und wir bekommen eine grobe Vorstellung davon, wie schön es mal werden könnte: Unser Familienleben mit Hund. Ich bin dankbar für die immer häufigeren Momente, in denen ich spüre, dass es doch kein Fehler war. Dass wir richtig entschieden, nur eben die Eingewöhnung unterschätzt haben.

Weil ich persönlich reflektierte Erfahrungen mehr schätze als lasche Forenbeiträge und weil Ratgeber eben doch mehr sachliche Hinweise, Checklisten & Tipps geben, möchte ich euch von unserem ersten Monat mit dem kleinen Buttje (Labrador) berichten.

Familienalltag mit 2 Kindern und Welpen – die aktuelle Lage

Natürlich war uns bewusst, dass ein Welpe ordentlich Arbeit macht und wir viel Zeit & Geduld aufbringen müssen. Und doch ist es wie mit dem Kinder kriegen. Erst wenn es soweit ist, glaubst du all das aus den Ratgebern auch wirklich und kannst richtig einschätzen und nachempfinden, was es für den Familienalltag bedeutet, einen Welpen im Haus zu haben.

Alltag… Oder der Versuch davon

Kinder wegbringen, einkaufen, arbeiten & zu Bett bringen der Mädels – einfach ALLES bedarf momentan klare Absprachen, denn Buttje kann halt noch nicht mal eben ein Stündchen irgendwo allein bleiben. Die Kinder auch nicht. Wer fühlt sich wann für den Hund verantwortlich? Wer für die Mädels? Momentan bekommen wir das mit Urlaub, Homeoffice, reduzierter Stundenzahl und einer gesunden LMAA-Einstellung zu unwichtigen Dingen ganz gut geregelt. Aber jaaa, es gibt an einigen Tagen auch mal kleine Nervenzusammenbrüche, weil der Weg zur Normalität so endlos erscheint. Wir freuen uns alle sehr darauf, wenn endlich mehr „nebenbei“ läuft und wir fünf so richtig zueinander gefunden haben.

Die zwei Lager

Versucht ein Erwachsener sich mit den Kindern UND dem Hund zu beschäftigen, ist dies aktuell noch ein ziemicher Nervenakt. Irgendwer bekommt dann zu wenig Aufmerksamkeit oder zu viel. Vorlesen mit ständigen Unterbrechungen. Ein Hund, der müde ist, aber kichernde Kinder viel zu aufregend findet und dann komplett am Rad dreht. Viele Ausflüge sind noch nicht möglich, weil der Welpe noch nicht länger als 15 Minuten an der Leine spaziert (mit vorweg laufenden Kindern nicht mal 5 Minuten). Auch irgendwo kurz warten kann er halt noch nicht. Also ist momentan oft abwechselnd Team Hund oder Team Kinder für einen Erwachsenen angesagt…

…leider sogar nachts. Direkt in den ersten Nächten kam Karli zu uns ins Elternbett und hat dabei den Hund geweckt. Dieser revanchierte sich beim nächsten Pipigang und weckte widerum den nächtlichen Besuch. Das wurde uns direkt in der ersten Woche zu viel. Damit die Augenringe nicht dauerhaft bei allen Familienmitgliedern proportional wachsen, gibt es auch zum Schlafen meist getrennte Lager. Ein Erwachsener schläft bei den Kindern, der andere beim Hund. Getrennte Betten – das haben die zwei Kinder bisher nicht geschafft.

Vier Wochen als Familie mit Hund – Das war toll. Das war doof.

Es gibt einige Dinge, die besser klappen als in den Büchern beschrieben. Doch mit zwei Kindern, die gerade erst selbstständig werden, kämpfen wir auch mit den ein oder anderen Startschwierigkeiten.

Das lief gut

Die ersten Nächte mit dem Welpen

Natürlich schläft der Hund nicht durch. Aber er meldet sich nachts zuverlässig in seiner Schlafkiste, wenn er muss und schläft nach dem rausgehen meist direkt wieder ein. Zumindest, wenn noch keine Vögel draußen den Eindruck vermitteln, es könnte schon Zeit zum Aufstehen sein. Inzwischen bellt er dann auch nicht mehr und weckt die anderen, sondern kratzt an der Box und schaut irgendwann nur mit dem Kopf über den Rand zu uns.

Komandotraining

„Sitz!“, „Platz!“, „Decke!“… Der Hund hat richtig Bock, uns zu zeigen, was er sich schon alles merken kann. Das Training mit Buttje macht wirklich riesigen Spaß. Wir nutzen seine kurzen Konzentrationsspannen fast immer für irgendein mentales Training und freuen uns riesig, wenn es Klick macht und ein Kommando sitzt.

An einen Ruheort gewöhnen

Wir mussten ein wenig testen und geduldig bleiben. Aber nach zwei Wochen wurde neben seiner Schlafbox eine weitere Box im Wohnzimmer akzeptiert. In der bleibt er meistens ruhig, auch wenn sie verschlossen wird. Er nimmt die Möglichkeit sich darin auszuruhen, immer besser an. Gerade, wenn er eigentlich müde aber viel zu aufgedreht ist, ist diese Option eine wahnsinnige Erleichterung. Dann gibt’s eine liebevolle Zwangspause statt Schweißperlen, weil der Welpe partout nicht zur Ruhe kommt und überdreht. Ich muss allerdings gestehen, dass wir da auch mehr dranbleiben müssen und die Box noch mehr nutzen sollten, damit Buttje nicht ständig hinter einem von uns herdackelt, wir das allein bleiben üben können und er sie generell noch mehr als etwas Positives empfindet.

Rücksicht der Kinder

Eigentlich fällt mir das erst jetzt beim Schreiben so richtig auf und dafür muss ich sie auch gleich mal ganz fest drücken und knuscheln gehen! Es ist wahnsinnig toll zu sehen, wieviel Mühe die Mädels sich geben, obwohl der große Spaßfaktor, den sie sich erträumt haben, eigentlich noch gar nicht da ist. Die Klotür bleibt zu, die Schuhe werden weggeräumt. Sie helfen beim Tisch decken und abräumen, wenn der Nachmittag mal wieder wuselig war und wir spät dran sind. Beim Essen und beim Basteln fallen plötzlich kaum noch Sachen vom Tisch oder werden sofort aufgehoben.

Das war schwierig

So. Und nun Tacheles. Hund & Familienleben in Einklang bringen ist auch ein echter Mammutjob. Das ist zunächst keine große Überraschung. Nicht umsonst haben wir uns für die Entscheidung viel Zeit genommen. Und doch sind die ersten Tage und Wochen eine mega Hürde. Kleiner Tipp: Überlegt vor der Anschaffung mal in jeder alltäglichen Situation (vor allem mit Kindern), was ihr jetzt eigentlich mit dem Welpen (der gerade erst bei euch eingezogen ist) machen würdet.

Zusammensein mit Kind & Hund

Egal, wieviel wir vorher mit den Kindern über das Thema Hund als Haustier gesprochen haben. Am Ende kam alles anders. Das große Kind hat vor Aufregung alles vergessen, was wir in Bezug auf das Verhalten gegenüber dem Hund besprochen haben. Er wird auch nach vier Wochen kaum von ihr in Ruhe gelassen. Sobald der Hund die Augen offen hat, wird er gestreichelt. Sie beobachtet uns mit dem Welpen und möchte uns nachmachen. Wir weisen sie dadurch oft zurecht und das fühlt sich überhaupt nicht gut an.

Karli hingegen ist viel zurückhaltender und öfter genervt, weil der kleine Welpe sie noch viel anspringt und ihr kleines wildes Wesen einfach zu aufregend findet.

Da heisst es wirklich permanent daneben stehen, wenn die Kinder mit Buttje in einem Raum sind und er wach ist. Das ist oft leichter gesagt als getan.

Stubenrein werden

Unsere Stube ist tatsächlich immer rein… und zwar vom ständigen sauber machen. Nagut, das ist etwas übertrieben. Es klappt klappt zunehmend besser. Aber in den ersten drei Wochen haben wir eindeutig unterschätzt, wie viel aufmerksame Beobachtung es braucht, um den Welpen rechtzeitig nach draußen zu bringen. Kurz mit einem Kind sprechen – Pipialarm. Nur ganz fix was aus der Küche holen – ihr könnt es euch denken… Oft stehen wir auch ewig draußen herum, die Kinder rufen von drinnen schon ungeduldig, ohne dass der Welpe endlich Pipi macht. Blätter jagen, rumlaufen und Buddeln lassen ihn ganz vergessen, was sein eigentliches Bedürfnis ist. Müssen wir irgendwann rein, weil ein Kind einfach keine Geduld mehr hat, wird drinnen natürlich als erstes irgendwo gepullert. Wenn die Quote von drinnen und draußen Pipi machen dann am Ende des Tages 50/50 war, sind wir doch etwas frustriert ins Bett gegangen. Stubenrein werden mag leicht sein – wenn da nicht eine Menge Alblenkungen im Familienalltag wären. Ich hätte in der Tat fast vor Freude geheult, als der Hund in den letzten Tagen endlich anfing, anzuzeigen, wenn er raus muss.

Alleine bleiben

Natürlich freuen sich alle, wenn der Hund entspannt bei uns in der Nähe ist. Ich mag es, wenn er morgens beim Brötchen backen oder beim Kochen mit in der Küche ist. Im Wohnzimmer arbeiten mit dem Hund direkt neben mir ist auch total schön. Und doch fühlt es sich falsch an, dass er uns meistens auf Schritt und Tritt verfolgt. Auch wenn er dann an Ort und Stelle ruhig ist. Mal kurz ruhig in einem anderen Raum bleiben, kurz alleine bleiben, wenn einer den Müll rausbringt, diese Dinge stehen auf jeden Fall noch auf unserer ToDo-Liste.

Auto fahren

Auto fahren stresst den Welpen leider noch ordentlich. Betüddelt ein Beifahrer ihn, geht es. Eine Fahrt allein mit dem Hund in der Transportbox war in den ersten drei Wochen ohne Malheur überhaupt nicht möglich. Nicht einmal 300 m nur zum üben. Kurze Fahrten gehen inzwischen aber mal eben irgendwas zusammen mit dem Hund erledigen, fällt noch aus. Wir müssten es noch viel öfter üben. Der ganze Aufwand (Fahrer und Beifahrer müssen Zeit haben, alles muss ganz gechillt ablaufen, erstmal im Auto schnuppern lassen, dann den Hund entspannt in Box verfrachten) den wir für 5 Minuten Fahrt betreiben müssen, hat anfangs doch eher für Prokrastionation gesorgt.

Normal aber trotzdem oho…

Der Hund kann nix und doch so viel. Vor allem Blödsinn machen. Auch wenn Buttje die Kommandos bisher super lernt, können wir ihm nicht alle gleichzeitig beibringen. Nach einem „NEIN“ hat der Hund natürlich nicht kapiert, dass er die Vorhänge in Ruhe lassen soll, keine Schuhe klauen darf, an Jacken ziehen und hochspringen verboten ist oder er nicht in die Sandkiste soll. Da hilft nur eins: Geduld. Geduld. Geduld… meine Königsdisziplin. NICHT!

Unser Fazit zu vier Wochen mit Hund & Kindern

Mehr Augenringe, mehr Anspannung und viel weniger Bilderbuchzeit als erwartet. Aber ich denke, das ist wohl immer so, wenn man in Situationen gerät, die einem völlig fremd und so neu sind, dass man sie vorab nur schwer einschätzen kann. Wir sind noch immer überzeugt davon, dass bald eine schöne Zeit für alle Familienmitglieder anbricht, wenn ein paar mehr Regeln bei Buttje sitzen, die Aufregung dem Alltag gewichen ist und sich das ein oder andere Problem in Luft auflöst.

Trotz intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema vorab, war die Überraschung groß, wieviele Dinge da plötzlich auf uns einprasseln. Wieviele Dinge es mit Buttje erst zu lernen gilt und welch einen Stress es mit sich bringt, solange Regeln noch nicht sitzen. Es ist unglaublich, mit wievielten Fragezeichen im Kopf wir plötzlich herumlaufen, weil wir alles richtig machen wollen, aber eben doch nicht alles so funktioniert wie im Ratgeber beschrieben.

Mir selbst fällt es oft schwer einfach zu akzeptieren, dass es nunmal nicht von Beginn an rund läuft. Neue Situationen stressen mich gerade sehr, wenn ich das Gefühl habe ICH MUSS mich JETZT SOFORT entweder für Kind oder Hund entscheiden. Aber es wird langsam. Der Hundeblick, die vielen Kuscheleinheiten sowie die Erfahrung, dass es von Tag zu Tag besser wird mit uns Fünfen, stimmen mich doch jeden Abend friedlich.

Welche Erfahrungen habt ihr in der Anfangszeit mit Hund und Kindern im Haus gemacht? War alles so, wie ihr es erwartet habt oder auch eher turbulent chaotisch wie bei uns?

2 Gedanken zu “Familienleben mit Hund: Unser erster Monat mit Welpen

  1. Das klingt alles sehr turbulent und trotzdem nach dem richtigen Weg. Würde gerne weiter lesen, wie sich der Welpe in eure Familie einfügt.
    Wir haben wieder eine Katze, auch da ist es am Anfang erstmal anders als gewohnt. Aber nicht ganz so krass, denn eine Katze ist selbständiger als ein Hund. Das kann man positiv oder negativ sehen. Für uns wäre ein Hund nie in Frage gekommen. Mein Mann und ich mögen Katzen mehr und wir schätze eben genau das Selbständigere. Die Kinder hätten auch einen Hund genommen, glaub ich.
    Demnächst haben wir vermutlich Katzenbabys, das wird für die Kinder nochmal was ganz anderes.
    LG von TAC

    Gefällt 1 Person

  2. Wie war das nochmal? IHR seid schuld,dass ich überlegt habe auch das 5.Faniliennitglied anzuschaffen? Danke für den Beitrag, dass macht es echt klarer,dass ich das JETZT nicht will oder nicht kann trifft es eher. Aber irgendwann… und dann seid ihr immernoch schuld 😉

    Gefällt 1 Person

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