„Mama, das ist so traurig.“ – Auch die kleinen #coronakinder brauchen mehr als Mama

Heute wurde ich in einem Interview gefragt, ob ich denn an meinen Kindern merke, dass ihnen im Augenblick etwas fehlt. Im Gespräch haben wir hauptsächlich über das Vorschulkind gesprochen. Doch auch Karli, die noch gar nicht so genau ausdrücken kann, was sie genau fühlt, zeigt es uns in den letzten Tagen immer deutlicher:

Auch Kleinkinder brauchen in dieser Zeit mehr als ihre Eltern und Geschwister.

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Gestern habe ich mit Karli ein Video gesehen, in dem ein Mädchen den ganzen Winter über Spaß mit ihrem selbst gebauten Schneemann hat. Als der Schneemann im Frühjahr zu schmelzen droht, stellt das Kind ihn in den Kühlschrank der Garage, wo er bis zum kommenden Winter auf sie wartet. Jahr für Jahr. Irgendwann, als das Mädchen bereits eine junge Erwachsene ist, öffnet sie den Kühlschrank, nimmt sich etwas zu Essen heraus und übersieht den Schneemann einfach, der sich bereits auf sie freut.

In dem Moment, als die Kühlschranktür wieder zugeht und man kurz den traurigen Schneemann im dunklen Kühlschrank sehen konnte, ging hier die Welt unter.

Mein dreijähriges Kind lag über 30 Minuten lang laut weinend und schluchzend in meinen Armen. Ich habe mehrfach versucht herauszubekommen, was genau sie so traurig macht. Vergebens. Sobald sie anfing zu sprechen, war sie wieder in ihrer Traurigkeit gefangen.

Erst viel später sagte sie zu mir:

„Das Mädchen hat den Schneemann einfach nicht mehr gesehen und er war alleine. Das ist sooo traurig.“ 

Als sie das sagte, hätte ich selbst am liebsten angefangen zu weinen. Mal wieder. Ist es verrückt von mir zu glauben, dass es meinem Kind gerade ähnlich geht wie dem Schneemann und ihr Gefühlsausbruch deshalb so heftig war? 

Fühlt mein Kind sich unsichtbar?

Die Schwester darf seit zwei Tagen wieder in den Kindergarten, sie noch nicht. Und es besteht noch nicht mal eine Aussicht darauf.

Bereits vor einigen Tagen hat Karli ihrem Opa erzählt, dass sie jetzt nur noch unsichtbare Freunde hat und keine echten mehr. Wegen Corona. Was für den Außenstehenden ganz niedlich klingen mag, bricht mir als Mama fast das Herz. Denn ihre Worte und Gefühle sagen soviel mehr. Bei all den kuscheligen Stunden und dem Genießen der neuen Zweisamkeit ohne die große Schwester am Vormittag: Ich sehe, dass mein kleines Mädchen ihre echten Freunde einfach braucht.

Wie geht es euren Kleinsten so? Erkennt ihr auch anhand ihres Verhaltens, dass ihnen etwas fehlt auch wenn sie es (noch) gar nicht ausdrücken können?

Ein Gedanke zu “„Mama, das ist so traurig.“ – Auch die kleinen #coronakinder brauchen mehr als Mama

  1. Ich glaube, für unsere 3jährige war es gut, dass sie noch nicht im Kindergarten war. Dadurch fehlt ihr da nix.
    Sie vermisst die Krabbelgruppe und als vor paar Tagen die Familie ihrer Krabbelgruppenfreundin vorbei kam und wir uns auf der Straße mit Abstand kurz unterhalten haben, haben sich beide kleine Mädchen versteckt und nur von weitem angeschaut. Das war irgendwie seltsam.
    Hier in Sachsen sind Kindergärten und Grundschulen wieder offen.
    Vielleicht beobachtet euer Bundesland Sachsen und öffnet dann auch bald wieder. Ich wünsche es euch.
    LG von TAC

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