Gemeinsam mit Kindern musizieren: Ein Hoch auf den Musikgarten #werbung

Ich kann mich noch daran erinnern, dass es mich am Anfang einiges an Überwindung gekostet hat, meiner Tochter als Baby etwas vorzusingen. Vor allem, wenn andere Leute anwesend waren. Inzwischen singen, tanzen und klatschen wir jeden Tag. Ab und zu bauen wir sogar eigene Instrumente. Ich habe es irgendwie geschafft meine Hemmungen über Bord zu werfen. Der gemeinsame Besuch des Musikgartens hat auf jeden Fall Einiges dazu beigetragen.

Seit 4 Jahren gehen wir nun schon zum Musikgarten mit Anja Vesper. Als Geschwisterkind kennt Karli den Musikgarten quasi von Geburt an. Wir haben zusammen mit Smarti gesungen, die Kurse für Babys und Kleinkinder besucht und wenn die große Schwester inzwischen alleine an der musikalischen Früherziehung teilnimmt, bekomme ich von Karli jedes Mal ein schmollendes „Och, schade“ zu hören, sobald die Tür zugeht und wir draußen warten müssen. Dabei ist es dann gerade mal zwei Tage her, dass sie selbst die Klanghölzer und Glöckchen bespielt hat.

Heute möchte ich euch deshalb mehr über das Musizieren mit Kindern im Musikgarten erzählen und darf Anja dazu einige Fragen stellen. Sie ist Musikpädagogin und leitet seit sage und schreibe 22 Jahren verschiedene Gruppen in Lüneburg (Rettmer), Adendorf und Bienenbüttel. 

Viele Fragen zum Thema Singen mit Kindern schwirren in meinem Kopf herum und Anja ist so nett sie zu beantworten.

Ist Singen und Vorsingen heutzutage etwas selbstverständliches in Familien wie zum Beispiel das Vorlesen? 

Das wäre wünschenswert und schön! Doch viele Eltern haben Hemmungen, weil sie denken sie können nicht singen oder es klingt nicht schön. Dabei ist es den Kindern nicht wichtig, dass jeder Ton gut stimmt.

Eltern sind für Ihre Kinder die größten Vorbilder. Wenn sie das Singen mit den Kindern pflegen, werden die Kinder mitmachen und es ihnen nachtun. Hat gemeinsames Singen einen festen Bestand im Alltag, werden die Kinder dies als selbstverständlich wahrnehmen.

Singen ist ein Grundbedürfnis der Kinder. Musik und Lieder sind Nahrung für Geist und Seele. Ich kann Eltern nur ermutigen mit den Kindern zu singen. Sie werden die positive Wirkung bei sich und den Kindern spüren. Wenn man nicht so geübt ist kann man mit wenigen Liedern, die z.B. aus der eigenen Kindheit noch bekannt sind, beginnen und/oder besucht einen Musikgartenkurs. Dort lernt man, dass die Freude am Singen sich entwickelt und die Lieder im Alltag mit den Kindern viele positive Momente und Situationen schaffen.

Der Musikgarten kann schon mit Babys besucht werden. Wie müssen Eltern sich eine Stunde dort vorstellen? Was nehmen so kleine Teilnehmer denn schon mit in so einem Kurs?

Die Musikgartenstunden sind für verschiedene Altersstufen konzipiert und gegliedert. So werden die Kinder ihrem Entwicklungsstand entsprechend angesprochen. Im Kurs für die Babys geht es vorrangig darum, den Eltern ganz viele musikalische Ideen und Aktivitäten für den Alltag mit dem Kind mitzugeben.

Ich versuche den Eltern Mut zu machen, für die Kinder zu singen, sie zu wiegen und zu schaukeln, bewusstes Hören zu vermitteln. Dazu ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie viel Geräuschen, Klängen und Hörerfahrungen die Kinder ausgesetzt sind. (z.B. „Musikberieselung“ aus dem Radio oder in Geschäften).

Ich versuche in jeder Stunde ein ganz bewusstes Hören zu erreichen, konzentriertes wahrnehmen eines Klanges oder eine Melodie. Immer wiederkehrende Rituale und Lieder, Kniereiter, Tänze, Körpererfahrung und Berührung gehören in jede Stunde.

Babys erkennen schnell Bekanntes wieder, zeigen ihre Freude in rhythmischem Wippen, Patschen und Bewegen. Musikalität ist uns allen in die Wiege gelegt, bei uns „Großen“ ist es oft nur verschüttet und kann durch das Singen mit den Kindern wieder entdeckt werden.

Bei beiden Kindern konnte ich beobachten, dass sie zum Teil noch nicht mal richtig in ganzen Sätzen sprechen, aber wohl Strophen einiger Lieder singen konnten. Das finde ich total spannend und es zeigt doch irgendwie, dass die Kleinen durchs Singen in vielerlei Hinsicht gefördert werden, oder? Was „lernen“ die Kinder noch durch das regelmäßige musizieren?

In erster Linie geht es im Musikgarten nur um die Freude, die das Singen bereitet. Aber Musik und besonders das Singen fördert die gesamte Entwicklung der Kinder. Es gibt mehrere wissenschaftliche Studien, die belegen, dass eine musikalische Förderung Kinder geistig, sozial und emotional positiv beeinflusst.

Ich nehme in meinen Kurs oft wahr, was du beschreibst. Kinder lernen Sprache viel leichter und schneller, wenn sie musikalisch daherkommt. Ich nehme Freude an musikalischer Bewegung wahr und nicht selten macht ein Kind, das kurz vor dem Laufen lernen ist, im Musikgarten die ersten Schritte allein. Am Anfang dachte ich, dies sei Zufall, aber es passiert so oft, dass ich dies der positiven Wirkung der Musik zuschreibe.

Grundsätzlich kann man sagen: Musik verbindet viele Lernprozesse des Kindes positiv und fördert die Entwicklung umfassend in vielen Bereichen.

Nehmen wir mal an, mein Kind ist extrem schüchtern oder genau das Gegenteil, ein echt wilder Rabauke. Ist so eine Gruppenaktivität wie der Musikgarten dann vielleicht trotzdem einen Besuch wert?

„Musik ist ein Menschenrecht“, ist mein Credo.

Wir Menschen sind verschieden, so kommen wir auf die Welt. Wie wir uns entwickeln, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Gruppen funktionieren gut, wenn wir es schaffen, dass alle sich wohl fühlen und ihren Platz finden.

Der „kleine Rabauke“ wie du ihn nennst, ist genauso willkommen wie ein schüchternes Kind. Wir Erwachsenen sind gefragt, wir müssen es schaffen, dass alle sich wohl fühlen und ihren Platz haben. Das heißt für die Eltern eines schüchternen Kindes , es okay zu finden, wenn das Kind lieber zuschaut und nicht mitmacht. Warten zu können, bis eines Tages das Vertrauen in die Gruppe so groß ist, mitmachen zu können.

Oft berichten Eltern mir : „Hier im Kurs macht er/sie nicht mit, aber zuhause !“ Damit ist aber genau das, was mir am Wichtigsten ist, erreicht. Das Kind hat alles aus unserer Singstunde mit nach Hause genommen. Genauso das aktive, bewegungsfreudige Kind. Vielleicht braucht es die Bewegung, um die Inhalte der Stunde mitzunehmen. Das ist für die Eltern etwas anstrengender. Sie müssen Sorge tragen, dass die Unruhe für die Gruppe nicht zu groß wird.

Gibt es sowas wie unmusikalische Kinder?

Ich glaube, es gibt keine unmusikalischen Menschen. Studien belegen das auch. Wir werden z.B. alle mit einem absoluten Gehör geboren. Das bedeutet, man hört einen Ton und kann benennen wie er heißt. Bei den meisten Menschen geht diese Fähigkeit verloren. Viele gute Musiker aber haben diese Gabe erhalten. Es gibt natürlich, wie in allen anderen Bereichen auch Menschen, die ein besonders Talent mitbringen.

Grundsätzlich ist Musikalität aber erlernbar. Durch Übung und Freude am musikalischen Tun. Für mich steht die Freude, die Kinder am Singen und Musizieren haben im Vordergrund.

Ich finde deine Antworten so motivierend und bin wirklich froh, dass auch ich es geschafft habe, meine Hemmungen zu überwinden. Danke dafür, liebe Anja.

Wer mit seinen Kindern auch gerne einen Kurs bei Anja besuchen möchte, nimmt am besten rechtzeitig Kontakt mit ihr auf, denn manche ihrer Gruppen haben Wartelisten. In den Kursen für Babys werden nach den Sommerferien allerdings wieder Plätze frei. Wenn ihr euch dort einen Platz sichert, könntet ihr gemeinsam mit Anja und anderen Eltern musikalisch den Herbst begrüßen.

Falls du gar nicht aus Lüneburg kommst und gerne wissen möchtest, ob es auch in deiner Stadt einen Musikgarten gibt, kannst du dies gerne auf der Liste der Kursleiter überprüfen.

Und nun bin ich gespannt auf eure Erfahrungen. Musstet ihr euch wie ich dazu überwinden, plötzlich vorm Liebsten Kinderlieder zu singen oder lauft ihr sogar trällernd mit euren Kids durch die Fußgängerzone? Was haltet ihr von musikalischer Früherziehung?

Ein Gedanke zu “Gemeinsam mit Kindern musizieren: Ein Hoch auf den Musikgarten #werbung

  1. Ich singe tatsächlich mit den Kindern nur, wenn keiner da ist. Als Kind ist mir eingetrichtert worden, dass ich so schief singe, dass ich lieber den Mund halten soll. Interessant die Aussage der Musiklehrerin, dass es keine musikalischen oder unmusikalischen Menschen per se gibt. Wenn ich aber singe, macht es mir Spaß. Seitdem der Mittlere Geige spielt, singen wir aber alle viel öfters.

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