Selbstständig als Mutter – mehr als nur Karriere

Dieser Beitrag enthält Werbung (unbeaufragt/unbezahlt, einfach nur tolle Frauen verlinkt)

Selbstständigkeit und Muttersein. In vielen Köpfen passen diese beiden Sachen irgendwie noch immer nicht zusammen. Die bisherigen Reaktionen auf meine Idee, zukünftig auf eigene Faust zum Familieneinkommen beizutragen, sorgen meist sofort bei der Erwähnung schon für Stirnrunzeln. Spätestens jedoch nach ein paar Erklärungen meinerseits habe ich sogar die, die mich anfangs noch für eine toughe Karrierefrau hielten, in die gegnerische Mannschaft der Stirnrunzler und Zweifler katapultiert.

Selbstständig in Teilzeit; und das ohne bahnbrechende und innovative Geschäftsidee, die einen Löwen vom Hocker hauen würde. Einfach nur, weils so einfacher für die Familie ist. Das übersteigt offenbar die Vorstellungskraft so mancher Menschen und auf schlaue Ratschläge und Meinungen muss ich nicht lange warten. Meist steh ich dann da: mundtot, beleidigt, enttäuscht von so viel Zweifeln in meine Person und beginne schlimmstenfalls tatsächlich das Grübeln.

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„Selbstständigkeit – Man, das ist aber mutig von dir.“

Ja? Ist es das wirklich? Mein Arbeitsvertrag wurde zu Ende Februar beendet. Seitdem sind meine Kinder mal gleichzeitig, gerne aber auch im Wechsel krank gewesen oder haben mich angesteckt. Bereits im ersten Monat hätte ich an 9 von 21 Arbeitstagen bei einem neuen Job schon morgens zum Telefon greifen und mich abmelden müssen. Spätestens an Tag 5 hätte mich das auch so einiges an Mut gekostet. Dank Homeoffice kann ich nach Bedarf beliebig oft zwischen meiner Rolle als Mama und der knallharten Karrierefrau wechseln, die Nächte durcharbeiten und die Wochenenden. Ach nee, doch nicht. Aber ich kann immerhin Dinge erledigen, die oberste Priorität haben und abends ohne schlechtes Gewissen ins Bett gehen.

„Wo soll das denn hinführen?“

Ganz ehrlich? Wir wissen es nicht! Und für mich ist es auch wirklich nicht DIE Frage aller Fragen. Wir haben für unser Familienleben HIER und JETZT eine gute Lösung gesucht und ich glaube diese auch gefunden. Ich bilde mich in einem Bereich fort, in dem ich zukünftig gerne tätig sein möchte. Ich trage einen Teil zum Einkommen bei und kann trotzdem für die Kinder da sein, wie ich es mir wünsche. Wenn die zwei größer sind, mein Studium abgeschlossen und ich als Selbstständige Fuß gefasst habe (oder auch nicht) werden wir sehen, was dann zu unserer Lebenssituation und unseren Vorstellungen vom gemeinsamen Familienleben passt und vielleicht wieder an den Schrauben drehen, bis wir zufrieden sind. Und wieder. Und wieder… Was ist denn bitte schlimm daran, jetzt keinen Plan bis zur Rente zu haben?

„Du hast doch Familie. Du brauchst was Sicheres.“

Würde ich gerne nehmen. Wenn es denn Arbeitgeber und freie Stellen in meinem Umfeld gäbe, bei denen ich

  1. trotz abgeschlossenem Studium und langjähriger Berufserfahrung nicht zur Schreibkraft degradiert werde, nur weil Teilzeit in der Stellenbeschreibung steht.
  2. die Option flexibel im Homeoffice zu arbeiten nicht gleichgestellt wird mit „frei machen“.
  3. nicht den erstbesten erst schlechtesten Job annehmen müsste, weil die Angebote in Teilzeit einfach vorne und hinten nicht passen (Und nein: Meine Ansprüche sind nicht zu hoch. „Teilzeit“ ist inzwischen der einzige Filter, den ich noch setze in Jobportalen.)
  4. auf Bewerbungen, bei denen ich glaube, wenigstens einen Teil meiner Vorstellungen wiederzufinden, überhaupt eine Antwort erhalten würde.

Der arme Mann vs. der Arschloch-Mann

Au Backe. Die Bude sieht nach nem Vormittag im Homeoffice und dem Nachmittag mit den Kindern aus wie ein Schlachtfeld. Und weil wir uns die letzte halbe Stunde nur angemotzt haben, sitzen wir gerade kuschelnd auf dem Sofa, als der Mann nach Hause kommt. Der arme, arme Kerl muss nun tatsächlich nach einem ganzen Tag im Büro noch helfen das heimische Chaos zu beseitigen, obwohl ich doch die ganze Zeit zu Hause war. Er kann sowieso echt leid tun, dass er nun auch noch meine Flausen mittragen muss. Das ist Version 1 der Meinungen über meinen Mann. Version 2 geht dann eher in die Richtung: „Boah, sind das etwa nur deine Kinder? Du musst alles aufgeben und er nix? Was für einen Typen hast du denn da geheiratet?“ Komisch, dass es überwiegend die zwei Extreme gibt und die Leute dabei glatt übersehen, wie zufrieden wir beide mit UNSERER Entscheidung und der aktuellen Situation sind.

ICH BIN WICHTIG!

Ich habe schon immer gerne gearbeitet. Ich hab auch gerne viel Zeit bei der Arbeit verbracht, denn meistens war ich Teil eines tollen Teams und meine Arbeit sowie mein Einsatz wurden wertgeschätzt. Ich bin dafür gerne jeden Morgen nach Hamburg gefahren. Wenn ich mit der Bahn im Trubel der Großstadt angekommen bin, war es als würde ich mich anstecken lassen und Fahrt für den Tag aufnehmen.

Die Rückkehr in den Job nach den ersten Kind war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Homeoffice, um flexibler und mehr arbeiten zu können? Ungern! Fester Bestandteil des Teams sein? Du bist doch fast nie da. Aufgaben und Positionen übernehmen, für die ich gerne alles gegeben hätte? Ach nee, ohne Homeoffice kann ich ja nicht einfach mal spontan ne Überstunde machen und Meetings am Nachmittag kann man schließlich auf keinen Fall wegen mir verschieben.

Doch auch nach dem zweiten Kind ist es mir immer noch wichtig, etwas zu tun für das ich brenne. Etwas wofür ich gerne jeden Morgen aufstehe, auch wenn die Nacht mit Kindern noch so kacke war. Nur so kann ich glücklich sein. Nur so kann ich auch eine gute Mama sein und eine Partnerin, zu der man(n) abends gerne nach Hause kommt.

Wenn niemand mir so einen Job geben mag, dann ist das Selbständigen Ding momentan einfach nur die naheliegendste Option, um beruflich glücklich zu werden. Mit der großen Karriere hat das bisher eher weniger zu tun.

„Und DAS nennst du arbeiten?“

Bloggen, Werbung machen, etwas freelancen in alten Gewässern und ein bisschen lernen für dieses Fernstudium mit Webgedoens. Es langsam und mit Bedacht angehen anstatt volles Karacho durchzustarten. Meistens auch noch von zu Hause und jeden Tag nur 3-4 Stunden am Schreibtisch sitzen. „Echte Arbeit“ darf anscheinend nicht so viel Spaß machen, so frei gestaltet werden und natürlich macht man sich ja auch nur selbstständig, wenn man die dicke Kohle wittert. Zumindest einiges mehr als bei einem Angestelltenverhältnis vorher. Vereinbarkeit, Familienglück, (fehlende) Perspektiven, Selbstverwirklichung, persönliche Zufriedenheit. Solche Argumente sorgen bei den Stirnrunzlern dann endgültig für Schnappatmung.

Zum Glück höre und lese ich bereits seit längerem Podcasts und Blogartikel von wundervollen Frauen, die ebenfalls Mütter und selbsständig in Teilzeit sind. Dank ihnen schöpfe ich immer wieder neuen Mut, wenn ich unseren aktuellen Fahrplan wegen der Zweifler selbst kurz für hirnrissig halte. Für fast jede Unsicherheit habe ich inzwischen schon einen perfekten Beitrag parat, der mich wieder auf meinen Weg zurückholt. Ihr braucht auch so ein kleines Krisenkommando? Dann schaut bei Bella von Familieberlin vorbei uns lest ihre Reihe Langsam selbstständig. Und wenn ihrs lieber auf die Ohren mögt, dann empfehle ich ganz unbedingt den Podcast notakinderspiel von
Sandra & Katharina sowie Janas mamanehmer Seite und Podcast.

Musstet ihr euch auch erstmal gegen so viele kritische Meinungen durchsetzen, als ihr beschlossen habt als mompreneur euren Weg zu gehen? Welche Vorurteile standen da bei euch im Raum? Oder wurdet ihr von eurem Umfeld genauso unterstützt, wie ihr es euch gewünscht habt?

Mehr über meinen Weg zurück ins Berufsleben nach langer Elternzeit könnt ihr hier und hier lesen.

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2 Gedanken zu “Selbstständig als Mutter – mehr als nur Karriere

  1. Huhu, ich finde deinen Weg sehr spannend. Ich gehe Vollzeit arbeiten und das Angestellten-Verhältnis ist zwar unflexibel, aber gibt halt auch Sicherheit. Ich brauche das derzeit noch. So weiß ich, dass ich krank sein darf und Urlaub machen darf, ohne dass mir gleich Einnahmen flöten gehen… Geld ist da der entscheidende Punkt, weil ich doch immer sicher sein möchte, dass ich Miete, Kitabeiträge ect. bezahlen kann…. Aber es muss halt passen, wie du schon schreibst. Nach meinem Studium musste ich auch erstmal suchen, bis ich einen Job fand, der zu mir und meinen Vorstellungen (auch als Mutter) passt.

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  2. Liebe Kerstin,

    ganz ehrlich: Ich finde es toll, was Du machst: nämlich aus einer beruflichen Sackgasse heraus neue Wege und Möglichkeiten finden, anpacken und gehen! Und ich finde es sehr schade, dass Du diese Reaktion nicht von Deinem Umfeld bekommst.

    Viele Menschen können sich einfach nichts anderes vorstellen als das, was sie kennen und gewohnt sind. Wenn Du sagst, die aktuelle Situation und Deine Pläne machen Dich und Deinen Partner zufrieden, füllen Dich aus und sind eine gute Lösung für ein ausgeglichenes Familienleben, dann ist genau das (aus meiner Sicht) die Antwort auf all die skeptischen und negativen Kommentare aus Deinem Umfeld. Lass Dich nicht entmutigen und schon gar nicht von Deinem Weg abbringen!

    Ich bin in einer sehr ähnlichen Situation wie Du. Nach der Elternzeit mache ich mich gerade selbstständig – und das ebenfalls in Teilzeit, ohne löwentaugliche Geschäftsidee und ohne Sicherheit, ob das die Lösung für die Ewigkeit oder eben nur für die nächste Zeit sein wird. Die große Kohle und Karriere wittere ich dabei definitiv auch nicht… aber Möglichkeiten, erfüllende Aufgaben, Freiheit, Flexibilität, Vereinbarkeit und auch Entwicklung – das schon!

    So viele Vorurteile sind mir in meinem näheren Umfeld zum Glück nicht begegnet. Dennoch fehlt es mir an Unterstützung, insofern dass ich keine inspirierenden Austauschpartner und Beispiele persönlich kenne. Um mich herum gibt es fast ausschließlich Mamas, die nach der Elternzeit wieder in ihr altes Arbeitsumfeld zurückkehren. Dafür gibt es aber online viele tolle Beispiele von Frauen, die sich selbstständig gemacht haben – auch in Teilzeit und mit Kindern! Ich würde mich freuen, wenn Du mehr von Deinen Schritten und Deiner Entwicklung berichtest.

    Liebe Grüße, Verena

    PS: Heute habe ich ein Zitat entdeckt, das ich sehr bestärkend finde. Vielleicht gefällt Dir der Gedanke ja auch: „Gerade als die kleine Raupe dachte, die Welt sei zu Ende, verwandelte sie sich in einen wunderschönen Schmetterling.“ (Die anderen werden das vielleicht erst später sehen – Hauptsache, DU glaubst daran, dass es so kommen kann.)

    Gefällt 1 Person

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